Sklaverei im alten China

Das Phänomen der Sklaverei im alten China lässt sich bis in das chinesische Altertum zurückverfolgen [1] [2]. Antike chinesische Quellen belegen dass Großgrundbesitzer, politische Amtsträger und staatliche Akteure spätestens ab der Han-Zeit (206 v. Chr. – 220 n. Chr.) über große Zahlen von Sklaven verfügten [3]. Ab dieser Zeit war der Besitz von Sklaven auch von staatlicher Seite her geregelt. Sklaven verfügten über einen eigenen rechtlichen Status [4].

So wurde in der Tang-Zeit (617/18-907) zwischen Sklaven in staatlichem und privatem Besitz unterschieden [5]. Sie galten als Besitz ihrer Eigentümer und konnten nach Wunsch gekauft und verkauft werden [6]. Ihre Herren hatten das Recht, Sklaven für Vergehen zu bestrafen. Die Lebensumstände der Sklaven im alten China waren meistens sehr schlecht und bedeuteten in der Regel ein Leben in Schmutz und Elend [7].

Das Gesetz achtete jedoch streng darauf, dass nur jene Menschen als Sklaven gehalten und verkauft werden konnten, die über den entsprechenden Status verfügten. Wer einen „freien“ Menschen versklavte, wurde mit dem Tod durch Erwürgen oder Enthaupten bestraft [8].

Warum gab es Sklaven im alten China?

Chinesische Quellen benennen verschiedene Gründe, warum und wie Menschen zu Sklaven wurden. Grob lässt sich zwischen fünf Gruppen unterscheiden:

  • Kriegsgefangene – in der Regel feindliche Soldaten, die zu harter Zwangsarbeit verurteilt wurden
  • Politische Gefangene
  • Opfer von Entführungen – vorwiegend Mädchen und Frauen
  • Bauern, Händler oder Handwerker, die sich selbst oder Familienangehörige verkauften, da sie ihre Steuern oder Schulden nicht mehr bezahlen konnten [9] [10].
  • Zur Han-Zeit konnten auch die Frauen und Kinder verurteilter Straftäter zu Sklaven des Staates erklärt werden [11].

Kindersklaven im alten China

Im Webroman Vorsehung wurde die Bauerstochter Gùan von ihren Eltern als Kindersklave verkauft, da sie nach einer schlechten Ernte in finanzielle Not gerieten. Quellen belegen, dass diese Praxis im alten China ab der Zeit der Streitenden Reiche (475-221 v. Chr.) tatsächlich zur Anwendung kam [12]. Ein Großteil der Kindersklaven stammte aus der eigenen Bevölkerung der jeweiligen chinesichen Reiche. Jedoch kam es zeitweise auch zwischen den Reichen und angrenzenden Gebieten zu einem regen Handel mit Kindern [13].

Sollten die als Sklaven verkaufen Kinder von ihren neuen Besitzern fliehen, mussten ihre Eltern an die Käufer Strafzahlungen leisten [14]. So wurde mutmaßlich sichergestellt, dass die Kindersklaven nicht zu ihren Eltern zurückkehren konnten.

Eine Flucht aus der Sklaverei war auch aus anderen Gründen schwer zu bewerkstelligen. Wer in einen anderen Teil des Landes flüchtete, konnten ohne Mittel und aufgrund fehlender sozialer Netzwerke nur niederste Arbeiten verrichten. Ein Überleben war unter diesen Umständen schwierig. Wer als Sklave bei seinen Herren bleib, konnte zumindest mit einem Minimum an Sicherheit rechnen [15].

Sklaven im Privatbesitz wurden von reichen Familien gehalten. Ihr Besitz war vor allem auf längere Zeit gesehen ein finanzieller Vorteil, da freie Lohndiener für ihre Arbeit bezahlt werden mussten [16]. Das hatte im alten China das Entstehen von Sklavenmärkten zur Folge [17], wie sie auch in Vorsehung beschrieben werden.

Privat gehaltene Sklaven wurden sowohl im Haushalt, als auch zur Feldarbeit eingesetzt [18]. Männliche und weibliche Sklaven hatten zum Teil unterschiedliche Aufgaben. Hübsche Mädchen wurden häufig zu Konkubinen. „Hässliche“ Mädchen kamen als Sklaven zum Einsatz. So war es in reichen Familien nicht unüblich, ein oder zwei Sklavinnen für Arbeiten im Haushalt zu besitzen [19]. Sklavinnen hatten darüber hinaus ihren Herren sexuell verfügbar zu sein [20].

Sklaven wurden auch als Grabwächter, Tänzer, Berater, Soldaten oder Handwerker eingesetzt [21]. Die Aufgaben von Sklaven waren somit vielfältig. Wie auch Gùan in Vorsehung mussten Sklaven im alten China verschiedene Aufgaben für ihre Herren erfüllen. Das Spektrum umfasste das Zimmern von Möbelstücken ebenso, wie die Herstellung von Sandalen oder das Hüten von Tieren [22].

Quellen

[1] Tilo, T. (1988) „Sklaverei im China der Tang-Zeit“, In: Orientalische Literaturzeitung, Vol. 83, Iss. 1-6, S. 264
[2] Schottenhammer, A. (2003) „Slaves and Forms of Slavery in Late Imperial China (Seventeenth to Early Twentieth Century)“, In: Slavery & Abolition: A Journal of Slave and Post-Slave Studies, Vol. 24:2, S. 143
[3] ebenda
[4] Pulleyblank, E.G. (1958) „The Origins and Nature of Chattel Slavery in China“, In: Journal of the Economic and Social History of the Orient, Vol. 1:2, S. 186
[5] Tilo 1988, S. 262
[6] Schottenhammer 2003, S. 144
[7] Watson, J.L. (1976) „Chattel Slavery in Chinese Peasant Society: A Comparative Analysis“, In: Ethnology, Vol. 15:4, S. 370
[8] Pulleyblank 1958, S. 207-208
[9] Schottenhammer 2003, S. 143-145
[10] Tilo, S. 264
[11] Pulleyblank 1958, S. 206
[12] ebenda, S. 192
[13] Wilbur, C.M. (1943) „Industrial Slavery in China During the Former Han Dynasty (206 B.C.-A.D. 25)“, In: The Journal of Economic History, Vol. 3:1, S. 59
[14] Schottenhammer 2003, S. 144
[15] Watson 1976, S. 367
[16] Tilo, S. 264-265
[17] Schottenhammer 2003, S. 147
[18] ebenda, S. 149
[19] ebenda, S. 147
[20] Sommer, M.H. (2000) „Sex, Law, and Society in Late Imperial China“, Stanford University Press, Stanford, S. 6
[21] Wilbur 1943, S. 58
[22] ebenda, S. 61

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